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Liquiditätsplanung in der Krise: Warum der Kontostand allein nicht reicht


Wenn Ihre Betrieb in einer angespannten Lage ist, reicht der Blick auf den Kontostand nicht mehr aus.


Der Kontostand zeigt nur den aktuellen Moment. Er zeigt nicht, welche Zahlungen morgen, nächste Woche oder in den kommenden Wochen fällig werden. Er zeigt auch nicht, welche Kundenzahlungen tatsächlich eingehen und welche nur erwartet werden.


Gerade in der Krise muss deshalb geplant werden, wann Geld eingeht und wann Geld abfließt.


Liquiditätsplanung ist keine Formalität. Sie ist die Grundlage dafür, Zahlungsfähigkeit, Handlungsspielraum und mögliche rechtliche Risiken zu beurteilen.


Warum Liquiditätsplanung in der Krise notwendig wird


Solange ein Unternehmen stabil läuft, wird Liquidität häufig über Erfahrung, Kontobewegungen und laufende Zahlungen gesteuert.


In einer Krise genügt das nicht mehr.


Wenn fällige Rechnungen offenbleiben, Gläubiger mahnen, Kreditlinien ausgeschöpft sind oder Banken aktuelle Zahlen verlangen, muss die Entwicklung der Liquidität konkret sichtbar werden.


Es muss erkennbar sein, welche Zahlungen eingehen, wann sie eingehen, welche Zahlungen fällig sind und wann eine Lücke entstehen kann.


Ohne Liquiditätsplanung wird häufig nur noch reagiert. Dann bestimmen Mahnungen, Anrufe, Abbuchungen oder der nächste Zahlungseingang die Reihenfolge der Entscheidungen.


Für eine Geschäftsführung ist das keine belastbare Steuerung.


Was eine Liquiditätsplanung zeigen muss


Eine Liquiditätsplanung muss nicht kompliziert aussehen. Sie muss aber aktuell, nachvollziehbar und realistisch sein.


Am Anfang steht der tatsächlich verfügbare Geldbestand. Dazu gehören Bankguthaben, Kassenbestand und tatsächlich nutzbare Kreditlinien. Beträge, die nur theoretisch zur Verfügung stehen, sollten nicht als sichere Liquidität behandelt werden.


Danach werden die erwarteten Zahlungseingänge erfasst. Dazu können Kundenzahlungen, Anzahlungen, Darlehensauszahlungen, Gesellschafterbeiträge oder Verkaufserlöse gehören. Entscheidend ist aber, ob diese Einnahmen mit ausreichender Sicherheit und rechtzeitig eingehen.


Anschließend werden die Zahlungsausgänge erfasst. Dazu gehören Löhne, Sozialabgaben, Steuern, Miete, Leasing, Kreditraten, Lieferanten, Versicherungen, Energie, Material und sonstige laufende Verpflichtungen.


Wichtig ist der Zeitpunkt. Eine Zahlung, die heute fällig ist, hat eine andere Bedeutung als eine Zahlung, die erst in vier Wochen fällig wird.


Planung nach Tagen oder Wochen


Je angespannter die Lage ist, desto genauer muss die kurzfristige Planung sein.


Wenn bereits Rückstände, Mahnungen oder Vollstreckungsrisiken bestehen, kann eine reine Monatsplanung zu grob sein. Dann muss tages- oder wochenweise geplant werden.


Für die nächsten zwei bis vier Wochen sollte besonders genau erkennbar sein, welche Einzahlungen und Auszahlungen zu erwarten sind. Für die folgenden Wochen kann eine Wochenplanung genügen. Bei längeren Zeiträumen kann die Planung gröber werden, muss aber weiterhin nachvollziehbar bleiben.


Der Zweck ist nicht, eine perfekte Zukunft vorherzusagen. Der Zweck ist, rechtzeitig zu erkennen, wann die Liquidität nicht ausreicht.


Eine Planung ist nur so gut wie ihre Annahmen


Eine Liquiditätsplanung hilft nur, wenn sie realistisch ist.


In der Krise werden häufig Zahlungseingänge zu sicher eingeplant. Kunden zahlen später als erwartet. Alte Rückstände werden vergessen. Steuer- oder Sozialabgaben werden zu spät berücksichtigt. Kreditlinien werden als verfügbar angesetzt, obwohl sie tatsächlich nicht mehr sicher nutzbar sind. Ratenzahlungen werden eingeplant, obwohl noch keine Vereinbarung besteht.


Solche Annahmen können die Lage besser erscheinen lassen, als sie ist.


Eine belastbare Planung muss deshalb zwischen sicheren, wahrscheinlichen und unsicheren Zahlungseingängen unterscheiden. Gerade unsichere Einnahmen dürfen nicht die einzige Grundlage dafür sein, dass fällige Zahlungen als leistbar angesehen werden.


Warum Liquiditätsplanung für Geschäftsführer wichtig ist


Für Geschäftsführer einer GmbH oder UG hat Liquiditätsplanung auch eine rechtliche Bedeutung.


Wenn nicht sicher ist, ob fällige Zahlungen geleistet werden können, muss die Zahlungsfähigkeit geprüft werden. Dafür braucht es aktuelle Zahlen. Ohne Liquiditätsplanung lässt sich häufig nicht belastbar beurteilen, ob lediglich eine kurzfristige Zahlungsstockung vorliegt oder ob Zahlungsunfähigkeit droht oder bereits eingetreten ist.


Das betrifft auch die Frage, welche Zahlungen noch geleistet werden dürfen oder geleistet werden müssen. In einer angespannten Lage sollten Zahlungen nicht nur danach erfolgen, welcher Gläubiger den größten Druck ausübt.


Es ist zu prüfen, welche Pflichten bestehen, welche Zahlungen für die Fortführung notwendig sind und welche Risiken für die Geschäftsführung entstehen können.


Bedeutung für Banken und Gläubiger


Wenn Banken in einer angespannten Lage aktuelle Zahlen verlangen, ist eine nachvollziehbare Liquiditätsplanung regelmäßig zentral.


Sie zeigt, ob die Geschäftsführung die Lage kennt und wie sich die nächsten Wochen voraussichtlich entwickeln. Sie kann Grundlage für Gespräche über Kreditlinien, Stundungen, Tilgungsaussetzungen oder andere Maßnahmen sein.


Eine unvollständige oder unrealistische Planung kann dagegen Vertrauen belasten. Wer gegenüber Banken, Finanzamt, Krankenkassen oder wichtigen Lieferanten Gespräche führen will, braucht Zahlen, die sachlich erklärbar sind.


Das bedeutet nicht, dass jede Planung positiv ausfallen muss. Es bedeutet, dass sie belastbar sein muss.


Liquiditätsplanung zeigt Handlungsbedarf


Eine gute Liquiditätsplanung zeigt nicht nur, dass Geld fehlt. Sie zeigt auch, wann und wodurch es fehlt.


Das ist entscheidend für Maßnahmen.


Wenn eine Lücke in zwei Wochen entsteht, können Forderungseinzug, Bankgespräch, Stundung, Ratenzahlung, Kostenstopp oder Gesellschafterbeitrag rechtzeitig geprüft werden. Wenn die Lücke erst sichtbar wird, wenn die Zahlung bereits fällig ist, bleibt häufig nur Reaktion.


Liquiditätsplanung schafft deshalb keinen Erfolg von selbst. Sie schafft aber die Grundlage, um Maßnahmen rechtzeitig zu beurteilen.


Planung muss laufend aktualisiert werden


Eine Liquiditätsplanung ist in der Krise kein einmaliges Dokument.


Neue Zahlungseingänge, verspätete Kundenzahlungen, zusätzliche Forderungen, geänderte Fälligkeiten oder neue Mahnungen verändern die Lage sofort.


Deshalb muss die Planung regelmäßig aktualisiert werden. In einer akuten Krise kann das täglich erforderlich sein. Bei weniger angespannter Lage kann ein kürzerer Wochenrhythmus genügen.


Wichtig ist, dass Abweichungen dokumentiert werden. Wenn geplante Zahlungseingänge nicht eintreten oder Ausgaben höher ausfallen, muss die Planung angepasst werden. Nur so bleibt sie ein Steuerungsinstrument.


Was eine belastbare Planung leisten soll


Nach einer belastbaren Liquiditätsplanung sollte erkennbar sein, ob Ihre Firma ihre Zahlungen leisten kann, wann Liquiditätslücken entstehen, welche Zahlungen besonders beachtet werden müssen und welche Maßnahmen rechtzeitig erforderlich sind.


Außerdem sollte sie zeigen, ob die Annahmen zur Fortführung realistisch sind. Wenn die Planung nur funktioniert, weil unsichere Einnahmen sicher eingeplant werden oder fällige Zahlungen ausgeblendet bleiben, ist sie keine tragfähige Grundlage.


Fazit


Liquiditätsplanung ist in der Krise eine der wichtigsten Grundlagen für die Geschäftsführung.


Der Kontostand allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, wie sich Einzahlungen und Auszahlungen in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln.


Eine belastbare Liquiditätsplanung zeigt, ob Ihre Firma zahlungsfähig bleibt, wann Lücken entstehen und welche Maßnahmen rechtzeitig geprüft werden müssen. Für Geschäftsführer einer GmbH oder UG ist sie außerdem wichtig, um rechtliche Pflichten und persönliche Risiken richtig einzuordnen.

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